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Freitag, 23. Dezember 2016

Was beschreibt Arbeit 2.0?

Mit dem Anbruch der digitalen Revolution fing unsere Gesellschaft an sich auf eine radikale Art und Weise zu verändern. In den knapp letzten 20 Jahren tauchten plötzlich Computer, Internet, World Wide Web und Social-Media in unserem Alltag auf und begannen unser Leben, wie wir es gewohnt waren, umzukrempeln. Dabei befinden wir uns heute schon längst an einem Punkt, an welchem diese neuen Technologien nicht mehr nur nützliche Instrumente sind, die uns die Kommunikation und die Arbeit etwas erleichtern und angenehmer machen, sondern diese Technologien selbst geben die neuen Inhalte unseres  Lebens und unserer Handlungen vor.

Es erstaunt so auch kaum mehr, dass der Anteil der Personen in der Schweiz, die das Internet regelmässig nutzen in den letzten 20 Jahren von 7 auf 83% gestiegen ist und heute in der Gruppe der unter-30-Jährigen gar 98% beträgt. Doch wir müssen nicht in die Statistiken blicken, um uns der Rolle der Digitalisierung bewusst zu werden. Allein schon die Art und Weise wie du diesen Text liest, weist auf die Bedeutung der Vernetzung über das Internet für uns hin – wir informieren uns im Netz, tauschen uns auf Chatforen darüber aus und definieren sogar einen Teil unserer Identität über soziale Plattformen wie Facebook, Instagram, Twitter und Co. .

Aber nicht nur unser Privatleben ist von diesen neuen Medien und Technologien durchdrungen, sondern auch unser Berufsalltag ist von diesem Wandel betroffen. So gehen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen davon aus, dass durch den steigenden Grad der Automatisierung viele Arbeiten in naher Zukunft von Maschinen gemacht werden und so unzählige Arbeitsplätze überflüssig werden. Gewisse gehen dabei soweit, dass sie davon ausgehen, dass dieser Wandel eine umgreifende Massenarbeitslosigkeit auslösen wird, welcher das Ende der Arbeit wie wir sie kenne bedeutet.

Andererseits bringen aber der technologische Fortschritt und die immer komplexer werdenden Systemzusammenhänge auch neue Anforderungen an unsere Gesellschaft mit sich, die neues strukturiertes Wissen erfordern. So ist beispielsweise mit der IT Branche ein völlig neuer Berufs- und Wissenszweig entstanden, der stetig wächst und in der Politik ist immer wieder die Rede vom Fachkräftemangel. Gleichzeitig lässt die globale Vernetzung neue Möglichkeiten für Arbeitsmodelle, wie Crowdworking, Telearbeit oder flexible Arbeitszeitmodelle zu. Denn die moderne Ökonomie ist nicht mehr darauf aus ein Arbeiterheer auf Reserve zu halten und in den Fabriken auf Vorrat zu produzieren, sondern durch die Globalisierung und die Vernetzung über das Web hat sich der Markt gewandelt. Wir bewegen uns daher in unserer Gesellschaft immer mehr auf eine On-Demand-Wirtschaft zu in der Unternehmen darauf aus sind, just-in-time zu produzieren. Das heisst, geliefert und produziert wird nur mehr auf Nachfrage. Und gleichzeitig wollen wir als Nachfrager auch alles immer und jederzeit zur Verfügung haben. Für den Arbeitnehmer hat dies jedoch die Konsequenz, dass seine Arbeit auch nur noch punktuell verlangt wird, nämlich genau dann wenn die Nachfrage da ist.

Weiter hat die Automatisierung zur Folge, dass einfache Arbeiten mit hohem Routine grad verschwinden. In diesen hochkomplexen Produktionszusammenhängen ist es daher nicht mehr die Arbeitskraft der Arbeitnehmer, die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt wird, sondern vielmehr ihr Fachwissen zur Kontrolle dieser Produktionsabläufe. In den Sozialwissenschaften spricht man daher schon davon, dass wir uns von einer Industriegesellschaft zu einer Wissensgesellschaft hin bewegen.

In solch einer Gesellschaft bildet Wissen die grundlegendste ökonomische Ressource. Ein Webdesigner erhält beispielsweise dann einen Auftrag, wenn sein Fachwissen bei der Gestaltung einer Website erforderlich ist und seine Anstellung endet mit der Erfüllung dieses Auftrags. Seine Arbeitskraft ist in diesem Sinne nicht mehr auf die klassische Art und Weise gefragt, wie dies bei einer Fabrikarbeiterin oder einem Dienstleistungsangestellten der Fall war, als blosse Arbeitskraft. Stattdessen ist der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin auf seine Kreativität und sein Know-How aus. Genau einer solche neu entstandene Nachfrage versuchen beispielsweise auch Organisationen wie Impact Hub nachzukommen: eine Plattform für Startups und Einzelpersonen mit dem Ziel dieses Wissen an internationale Firmen wie Google im Rahmen von Beratungsaufträgen weiter zu vermitteln und zu verkaufen.

Wenn nun von Arbeit 2.0 die Rede ist, dann wird damit versucht dieser Wandel in unserer Arbeitsgesellschaft zu beschreiben. Der Begriff ist dabei jedoch noch mehr Frage als Programm, denn mit diesen tiefgreifenden Veränderungen unserer Arbeit stehen wir vor völlig neuen Herausforderungen, deren Lösung noch nicht klar ist: Was passiert mit den Menschen, deren Arbeit Maschinen übernehmen - Opfern wir unsere Arbeit für mehr Freiheit oder mehr Unsicherheit - Wer profitiert von der Digitalisierung - Wie wird in einer zukünftigen Gesellschaft soziale Gerechtigkeit gewährleistet - Und welche neuen Gesellschaftsverträge braucht es in der Zukunft?

 

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