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Freitag, 5. Juni 2020

ATO AUTOMAT x SCHAUSTELLE: Nora Vetterli

Die Schaustelle zeigt erneut aktuelle Projekte auf dem Dynamo-Areal: Ab Mai trifft man am Limmatufer auf den Āto-Automaten. Der Automat ist eine mobile Ausstellung im  öffentlichen Raum: Junge Designer*innen und Künstler*innen haben ihn mit Inspirierendem gefüllt. Der Fokus liegt auf lokal Designtem und Produziertem. Handgefertigte Schmuckstücke, DIY Bausätze mit Anleitung, fancy Peelings, Illustrationen oder ein Tattoo-Gutschein. Gerade in diesen speziellen Zeiten bewährt sich der ATO Automat, denn er steht draußen, ist immer zugänglich und kann alleine oder in kleinen Gruppen beim nächsten Spaziergang an der Limmat besucht werden.

Der Automat braucht keine Öffnungszeiten und kein Verkaufspersonal. Via QR Codes erfährt man mehr über die einzelnen Produkte und ihre Designer*innen. Hat man ein Lieblingsstück gefunden, kann man es gegen Bargeld und bald auch via Twint direkt mitnehmen, ganz einfach und ohne anzustehen.

Nora Vetterli stellt ihre bunt gestalteten Kondompackungen im ATO Automat aus. Sie sind geschmückt mit Illustrationen und Zitaten wie «Machs mit Liebi» oder «Für öper speziells». Wir haben mit der Designerin über Kondome und mehr gesprochen. 

 

Wer bist du?

Ich bin Nora Vetterli, Produktdesignerin, arbeite an meinen eigenen Designprojekten und unterrichte Teilzeit Gestalten an einem Gymnasium. Momentan bin ich mit zwei anderen Frauen (Louisa Carmona und Selina Bächli) gerade dabei, ein Atelier und Laden aufzubauen, wo wir eigene Produkte - ich z.B. Lampen und Schmuck - herstellen und verkaufen, sowie Produkte anderer Designer*innen zum Kauf ausstellen. 

Wie bist du auf die Idee gekommen, Kondomschachteln zu entwerfen? 

Die Idee ist durch die Suche nach einem kleinen Geschenk entstanden, das nicht viel kostet und fast alle ab und an benötigen. Zu Weihnachten habe ich dann einigen Freund*innen diese bunt gestalteten Kondome geschenkt. Da alle Freude daran hatten, habe ich einfach weitergemacht. Erst später habe ich gemerkt, dass in diesem Projekt auch Themen enthalten sind, die mir wirklich wichtig sind.

Was für Themen sind dir denn wichtig?

Kondome sind meist unauffällig gestaltet - wie etwas wofür man sich schämt und versteckt, also eher negativ konnotiert. Körperliche Intimität und Sexuailtät sind etwas sehr Schönes und Wichtiges. Ich möchte das mit meinen Illustrationen wertschätzen, positiv konnotieren und einen einfachen, lustigen und lustvollen Zugang kreiieren. Es ist doch viel aufregender, wenn man bei einem One-Night-Stand ein solch bunt gestaltetes Kondom hervorzieht, als ein herkömmliches.

À propos, glaubst du denn so eine Kondompackung wie deine, spricht mehr Personen an als eine herkömmliche?

Hmm, das ist schwer zu sagen. Ich denke, dass sie etwas ganz anderes auslösen als herkömmliche Kondome. Lachen, Verlegenheit, Freude- das sind die Reaktionen, die ich beobachte. Jedenfalls löst es etwas aus. Ob viele Leute trotzdem unauffällig aussehende Kondome bevorzugen, kann ich daraus nicht entnehmen.

Wo findest du Inspiration für deine Skizzen? 

Anfangs habe ich das meiste aus dem Kopf gezeichnet aber mit der Zeit habe ich angefangen Kamasutra-Bücher zu konsultieren, um auf bessere Ideen zu kommen. (Lacht) Momentan zeigen die meisten Verpackungen vor allem Frau und Mann - heterosexuell. In nächster Zeit würde ich gerne noch diversifizierte Illustrationen gestalten, die zum Beispiel verschiedene sexuelle Ausrichtungen und unterschiedliche Körperformen zeigen. 

Inwiefern könnten deine Kondome gesellschaftlich relevant sein? 

Indem ich das Thema positiv, lustig und schön interpretiere und nicht wie ein Tabuthema behandle, wofür man sich zu schämen braucht. 

Die Schaustelle möchte gesellschaftliche Impulse aufnehmen, was beschäftigt dich im Moment? Was macht dich wütend oder traurig? 

In letzter Zeit beschäftigt mich vor allem im Zusammenhang meines Kondomprojektes das Thema Online-Dating. Intimität wird immer mehr zum Konsum. Auf Dating Portalen lässt sie sich quasi per Knopfdruck bestellen, das erscheint mir widersprüchlich. Irgendwie ist die Poesie verloren gegangen.

Aber kann denn Online-Dating nicht intim sein oder Poesie beinhalten?

Natürlich, das kann sein. Die Geste des Swipens scheint einfach so schnelllebig. Im analogen Leben braucht es ja meist länger, bis man jemanden besser kennenlernt und merkt, dass man jemanden mag. Auch ein erstes Date mit einer fremden Person ist oft schwierig - jedenfalls mit mir. (Lacht) Es hat ja auch etwas Schönes, dass Intimität nicht so leicht per Knopfdruck zu konsumieren ist! Vielleicht könnten meine Kondome mit ihrer direkten, ehrlichen Art abseits der Dating-Apps im analogen Flirtuniversum als Icebreaker dienen.

 

**** Mehr Informationen zum ATO AUTOMAT unter https://www.dynamo.ch/schaustelle.